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Yorokani Magnetkleidung - Die Gründerin im Gespräch

 

Therapiemarktplatz und Franziska Rauch, Gründerin von Yorokani – Magnetkleidung, im Gespräch.

Therapiemarktplatz: Franziska, also Soziologin und aus der internationalen Kinofilmproduktion kommend, erzähle uns doch bitte mal: Wie kommt man auf die Idee Magnetkleidung zu entwickeln? 

Franziska Rauch: Mein Großvater hat ausschließlich Hemden getragen. Nur so hat er sich gekleidet gefühlt. Nachdem seine Feinmotorik aber stark eingeschränkt war, haben seine Tage mit großem Ärger begonnen, weil gefühlt jeder Knopf zu groß für die Knopflöcher war.

Wir wussten: Da muss eine Lösung her! Im Internet haben wir dann recherchiert, dass es in den USA Hemden gibt, wo unter den Knöpfen ganz simpel Magnete eingenäht sind. Diese haben wir bestellt und dann in Kooperation mit ErgotherapeutInnen und ihren PatientInnen getestet. Die Idee Hemden und Blusen magnetisch zu verschließen, stieß auf großes Interesse, jedoch war die Umsetzung ungenügend. Weil die Magnete dieser amerikanischen Modelle leicht verrutschen, war die Knopfleiste nie schön gerade, sondern sah immer ein bisschen schlampig aus. Außerdem „platzte“ der Verschluss, sobald sich die ProbandInnen bewegten, auf.

Alltagstauglichkeit: Null. In diesem Moment wussten wir: Die Idee ist gut, aber das muss besser gehen und wir werden daran arbeiten.

 

Therapiemarktplatz: Tolle Idee! Und wie geht man dann an die Umsetzung? 

Franziska Rauch: Wir haben bei der Wirtschaftsagentur Wien einen Förderantrag für unser Konzept vom „sekundenschnellen Kleiden“ eingereicht und EUR 155.000 erhalten. Diese Summe floss zur Gänze in Forschung und Entwicklung.

Unser Konzept aus Design, technik und Innovation ist so erfolgreich, dass wir für unsere Magnetblusen und Magnethemden, mit dem German Design Award für exzellentes Produktdesign ausgezeichnet wurden.

Die internationale Jury des German Design Council, hat unsere Entwickung außerdem mit dem Innovation Award Winner 2022 prämiert. Beide Preise sind die Auszeichnung dafür, ein Hilfsmittel entwickelt zu haben ästhetisch und funktionell ist und eben nicht mit Alter und Krankheit assoziiert wird. Darauf sind wir irre stolz!

 

Therapiemarktplatz: Bitte berichte: Wie funktioniert der Prozess einer Produktentwicklung, gemeinsam mit ErgotherapeutInnen, PatientInnen und ÄrztInnen? 

Franziska Rauch: Dieser gemeinsame Entwicklungsprozess war einmalig und ganz oft richtig berührend! Erst einmal möchte ich erwähnen, dass es total unüblich ist, dass etablierte Institutionen ein junges Start Up einladen an internen Prozessen und an ihrer Arbeit mit PatientInnen teilnehmen lassen. Dafür sind wir enorm dankbar, weil es wirklich NUR SO möglich war, Einblicke zu bekommen die für die Produktentwicklung essenziell waren. Wir haben viele teilnehmende Beobachtungen gemacht. Darauf geachtet, wie über Hilfsmittel gesprochen wird, wie beispielsweise das Ankleiden trainiert wird und welche Probleme PatientInnen dabei haben.

Wir haben dokumentiert, wie über Herausforderungen gesprochen wird, was die wirklich „nervigen“ Herausforderungen im Alltag des Ankleidens sind. So konnten wir herausfinden, dass Hemden und Blusen oft viel zu schmal geschnitten sind. Der „Einstieg“ in das Kleidungsstück ist daher mit großen Verrenkungen verbunden. Aus dieser Herausforderung haben wir, anhand von 13.000 Datenpunkten, einen eigenen Schnitt entwickelt, welcher unserer Zielgruppe besonders gut passt.

Auch war sehr schnell klar, dass wir Kleidungsstücke entwickeln in die man nicht „über Kopf“ einsteigen muss. Sprich keine T-Shirts sondern eben Blusen und Hemden. Tja und dann waren wir da auch noch beim Alltagstraining in der Ergotherapie mit dem Knopfeinfädler dabei. Dieser hat alle PatientInnen zur Verzweiflung gebracht. Einfädler halten, Knopfloch anvisieren, Knopf fangen, Knopf durchziehen. Wir haben ihn auch selbst getestet und selbst für uns war das sehr schwierig, mit eingeschränkter Feinmotorik, Auge Hand Koordination oder einem Tremor also wirklich fast unmöglich. Also unsere teilnehmenden Damen und Herren dann die ersten Prototypen unserer Magnetblusen und- Hemden in Händen hielten sind einige Tränen der Rührung geflossen. Auch bei meinem Team und mir. Die Rührung, dieser Moment in denen sich Personen plötzlich einhändig und in Sekundenschnelle, vollkommen selbstbestimmt kleiden konnten, werde ich nie vergessen.

 

Therapiemarktplatz: Was unterschiedet jetzt eure Magnetkleidung von jener aus den USA? 

Franziska Rauch: Die Innovation unserer Kleidungsstücke liegt in der verdeckt verarbeiteten, magnetischen Verschlussleiste. Mit einer einzigen fließenden Bewegung finden und schließen sich die schillernden Perlmuttknöpfe der Blusen und Hemden wie von selbst.

Dann haben unsere Verschlüsse zusätzlich vier Haken, die ineinandergreifen und gegen Spannung und Zug sperren. So hält der Verschluss jedem Dehnen und Strecken stand. Wir nennen diese einmalige Funktionalität ganz praktisch „Schnitzel-sicher“. Das heißt, selbst nach einem köstlichen, üppigen Mittagessen kann das Magnethemd noch so spannen, es bleibt stets geschlossen.

 

Therapiemarktplatz: Was erwartet ihr von eurer beruflichen Zukunft? Wie soll es mit Yorokani weitergehen? 

Franziska Rauch: Gerade setzen wir auf viele zufriedene KundInnen, deren Feedback, Empfehlung und Mundpropaganda. Denn Magnetkleidung ist ein Produkt mit hohem Erklärungsbedarf. Magnetkleidung ist inzwischen ein fixer Bestandteil der ergotherapeutischen Rehabilitation, in einigen Kliniken. Diese Anerkennung durch das Fachpersonal macht uns besonders stolz. Langfristig wollen wir Yorokani als Standard etablieren, wie es mit Rollkoffern gelungen ist. Denn wer trägt schon noch seinen Koffer zum Bahnsteig? Niemand. Eben. Mehr Inklusion für alle. Das ist unser Traum!
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